Angedacht
24.12.2010
Jahreslosung 2011
Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege Böses mit Gutem.
Römer 12,21
(Neue Genfer Übersetzung)
Es gibt nicht Gutes - außer man tut es. Den Spruch hätte Paulus auch sagen können. Gutes tun ist immer gut. Deshalb nennt man es auch so. Er fordert die Christen in der Gemeinde in Rom allerdings zu etwas auf, das gerade dann und vor allem gegenüber den Menschen zu tun, die gegen uns sind - oder gegen unseren Glauben.
Das Böse soll ins Abseits gestellt werden. Eben gerade nicht „Wie du mir, so ich dir!“ - ganz im Gegenteil: Ein Nachfolger Jesu soll demjenigen positiv begegnen, der ihm blöd kommt, der ihn angreift, der ihm schaden will. So vielfältig wie unser Leben ist das Böse, das uns und unsere Lebenswelt beeinflusst (Beispiele siehe Bild). Es steht im Weg. Massiv.
Wenn Christus das Herz seiner Nachfolger verändert, dann erschließen sich neue Möglichkeiten zu handeln. Jesusgemäß handeln beinhaltet auch, sich nicht in den Strudel des Bösen hineinziehen zu lassen, in dem wir selbst zugrunde gehen. Es muss überwunden werden, besiegt werden.
Paulus will deshalb auf das Wesen Gottes fokussieren. Nur er kann den Sieg über das Böse ermöglichen.
Die Jahreslosung ist der Schlussvers des zwölften Kapitels im Römerbrief. Im ganzen Abschnitt davor geht es um den Sieg der Liebe Gottes. Wenn die Liebe echt ist, dann zeigt sich das in unserem Verhalten: „Verabscheut das Böse, haltet euch unbeirrbar an das Gute.“ (V. 9) - „Segnet die, die euch verfolgen.“ (V. 14) - „Vergeltet niemand Böses mit Bösem.“ (V. 17) - „Rächt euch nicht selbst, [...] Unrecht zu rächen ist meine Sache, sagt der Herr; ich werde Vergeltung üben.“ (V. 19)
Die Wiederherstellung der Gerechtigkeit sollen wir Gott selbst überlassen. Unsere Aufgabe ist es, eventuelle Gegner zu beschämen, damit sie das eigene Tun selbst als „böse“ entlarven. Paulus zitiert in V. 20 eine Aussage aus Sprüche 25,21f: „Hat dein Feind Hunger, so gib ihm zu essen, hat er Durst, dann gib ihm zu trinken. Denn wenn du das tust, wirst du glühende Kohlen auf seinen Kopf häufen.“
Das jesusgemäße Verhalten soll ihn stutzig machen. Es geht darum, welche Kultur des Umgangs sich durchsetzt, welche zwischenmenschlichen Vorzeichen wir setzen. Nicht einfach nur „Dagegen!“, keine Antihaltung, sondern eine Pro-Haltung. Es soll eine positive Gegenkultur zum Bösen sein: sich für Barmherzigkeit einsetzen, Vergebung aussprechen, aktiv füreinander eintreten, Neuanfänge ermöglichen und anstreben. Eben so, wie Gott selbst es liebt.
Wir sollen nicht den anderen, sondern das Böse besiegen, es überwinden. Das geht nur, wenn das eigene Herz von der Liebe Gottes gefüllt ist, voller Güte, beeinflusst vom Vaterherzen Gottes. Wenn wir uns von ihm prägen lassen, dann kann (wie auf dem Bild zu sehen) ein etwas anderer Regenbogen, sozusagen ein „Gütebogen“ über dem Bösen aufleuchten, das uns überwinden will. Wie wäre das, wenn andere in unserem Verhalten diesen Gütebogen Gottes leuchten sehen würden?
Ihr Prediger
Martin Strienz
Bild: medienREHvier.de / Anja Brunsmann

